Die verrückte Zukunft der Chatbots

Es war schon fast ein Ritual. Jeden Freitag, nachdem ich von den Winestorm Sessions (Brainstorm + Wein trinken) im Office nach Hause kam, habe ich mir eine Pizza gegönnt. Da die wirklich guten Pizzen in Sydney mal schnell über 20$ kosten, blieb mir meistens nur Dominos. Eine normale Pepperoni für 6$. Per App bestellt und losgegangen.

Dank Tracking wurde die Pizza erst in den Ofen geschoben, wenn ich mich der Pizzeria näherte. Die erste Neuheit für mich, so war die Pizza immer frisch und noch warm. Auf dem nach Hause Weg viel mir der Flyer auf dem Karton auf.

 

Flyer von Dominos indem ein Chatbot beworben wird

 

Einfach einen Pizza Emoji an die Nummer schicken und die Bestellung vom letzten Mal wird nach Bestätigung in den Ofen geschoben.

Das war mein erster Kontakt mit Chatbots. Vier Monate später habe ich einen Blog und schreibe einen Artikel, der mit dieser unscheinbaren Geschichte beginnt. Unglaublich wie es manchmal kommen kann…

Was sind Chatbots überhaupt?

Ein Chatbot ist eine Software die dir antwortet. Viele, meist größere Unternehmen, fangen gerade an sich mit Chatbots zu beschäftigen und sie zu nutzen. Sei es im Bereich Customer Service oder Verkauf.

Stell dir einen Chatbot einfach als digitalen Assistenten vor. Zum Beispiel Siri oder Cortana.

Ein Chatbot kann Apps auch komplett ersetzen. Amazon’s Echo lässt dich direkt per Sprachansage Produkte bestellen. Du kannst fragen wie das Wetter zur Zeit ist, ob es auf dem Weg zur Arbeit einen Stau gibt und wie dein Lieblingsverein am Wochenende gespielt hat.

Apps haben uns das Leben deutlich einfacher gemacht, Chatbots gehen jetzt noch einen Schritt weiter.

Für einige etwas gruselig, für alle spannend zu verfolgen. Im Folgenden drei Beispiele von aktuellen Chatbots, einer davon war ein ziemlich großer Fail.

Facebook und Chatbots

T3n haben den Chatbot von Facebook ausgiebig getestet. Die Bots können direkt im Chatfenster mit den Leuten kommunizieren und beim Einkaufen helfen, vom Wetter berichten oder die aktuellen Börsenkurse vorlesen.

Schreibt man den Chatbot vom Nachrichtensender CNN an, meldet sich dieser prompt und schlägt verschiedene Themengebiete vor. Aus diesen kann man dann wählen. Antwortet man dann mit „Refugees“ bekommt man aktuelle Nachrichten zum Thema Flüchtlinge.

Bei „Ask CNN“ kann man einfach Schlagwörter wie zum Beispiel „Obama“ oder „Volkswagen“ schreiben. Der Bot sucht dann relevante Themen raus und schickt einem passende Artikel.

Der Facebook Chat Bot im Test bei T3N

Der Facebook Bot im Test (Quelle: T3n) 

Der Tacobot

Mit dem Tacobot kann man ganz einfach per Chat seine Tacos bei der amerikanischen Fast Food Kette „Taco Bell“bestellen.

Wenn man nicht genau weiß was man essen möchte, kann einem der Chatbot auch Vorschläge machen. Er kann Fragen beantworten, Gruppenbestellungen können aufgegeben werden und die Bezahlung läuft ebenfalls über den Bot.

Die Software hilft dem Unternehmen bei dem Ausbau der Präsenz. Einen Taco über den Chat zu bestellen ist einfach schneller erledigt als per App.

Tay Chatbot von Microsoft

Der Tay Bot von Microsoft wurde als Twitter Account getestet. Das ging allerdings ziemliche in die Hose. Der Bot lernte von Gesprächen mit anderen Twitter Nutzern. Diese haben den Bot in ein rassistisches Monster verwandelt. Hier nur ein Beispiel:

Tay Bot von Microsoft auf Twitter

Vielleicht hast du schon einmal von Godwin’s law gehört. Ein Gesetz das besagt, dass sich jede Diskussion im Internet im Laufe der Zeit immer auf einen Nazi-Vergleich hinausläuft. Er sollte Recht behalten.

Stand jetzt: eher so lala…

Chatbots können nur auf ganz bestimmte Formulierungen antworten. Sie können leicht vom Menschen manipuliert werden und es hat bis jetzt rein gar nichts mit einem richtigen Chat Verlauf zu tun wie wir es vom chatten mit Freunden kennen. Aber das wird sich ändern.

 

Aber was kommt auf uns zu?

Unser Leben wird verändert werden

 

Chatbots werden gerade erst richtig beliebt. Die Software wird immer besser und erhält fast jeden Monat neue Funktionen. Schon bald werden Chatbots in der Lage sein immer mehr Daten zu speichern. Nicht nur Wohnort oder Kreditkartennummer, sondern auch Wetter oder Verkehrslage spielen dann bei den Antworten des Bots eine Rolle.

 

Besser werden durch „Deep Learning“

Dieses ständige dazulernen von Chatbots nennt man deep learning. Maschinen können Objekte erkennen und Sprachen lernen. Es geht darum einen Chatbot zu bauen, der die Sprache wirklich versteht, Schlussfolgerungen zieht und selbstständig eine Entscheidung trifft.

Es ist besser ein System zu haben, welches die wichtigen Features automatisch lernt. – Jeff Dean, Google

Deep Learning Software versucht die Aktivitäten des menschlichen Gehirns nachzuahmen. In der Zukunft können Chatbots Zusammenhänge, Sounds, Bilder, Videos und andere Quellen auswerten.

Durch das immer bessere Simulieren des Neocortex, wo der multisensorische Teil des Hirns liegt, werden Sprach- und Bilderkennung immer besser.

Im Juni 2015 wurden einer Chatbot Software über 10 Millionen Bilder aus YouTube Videos gezeigt. Die Software erkannte Objekte, wie zum Beispiel Katzen, mehr als doppelt so gut wie sein Vorgänger.

Wer weiß, vielleicht brauchen wir ja bald keine Alt-Texte mehr bei Bildern hinzufügen und der Google Bot erkennt von selbst was auf ihnen zu sehen ist.

Rick Rashid, CRO von Microsoft, hat seiner Software einen Text vorgelesen. Dieser wurde automatisch niedergeschrieben und übersetzt.  Die Fehlerquote lag bei nur 7%. Anschließend hat die Software seine Stimme simuliert und die Chinesen auf Mandarin begrüßt  – die Zuschauer bei seiner Präsentation staunten nicht schlecht.

 

Das Video ist bereits vier Jahre alt, dennoch dürfte diese Präsentation zeigen wie schnell sich Chatbots weiterentwickeln. Die Reaktion des Publikums könnt ihr ab 7:30 sehen.

Artificial Intelligence (AI) verändert gerade alles. Von der Art wie wir kommunizieren, über Medizin bis hin zum Transport mit der Bahn.

Der sogenannte „Watson-Computer“ von IBM nutzt Deep Learning Techniken und wird dazu „ausgebildet“ Ärzten bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.

Wie du siehst sind wir gerade erst am Anfang. Es geht darum Bilder und Sprachen zu erkennen, Informationen auszuweiten und Entscheidungen zu treffen. Kaum vorstellbar was da noch alles kommt.

 

Wohin geht die Reise?

Raymond Kurzeril, ein amerikanischer Autor, Erfinder und Futurist, stellt sich einen kleinen Helfer vor. Dieser liest deine Emails, verfolgt deine Bewegungen und hört bei deinen Gesprächen zu – wenn du Ihn lässt.
Zur Zeit lässt sich das noch nicht vorstellen da die Privatsphäre für viele Leute das allerwichtigste ist. Sieht man sich dann aber deren Facebook Stream an, sind die meisten durchaus bereit ihre Informationen preiszugeben.

Ich bin mir sicher, dass die Leute in der Zukunft weiter sensibilisiert werden und kein Problem mit dem „kleinen Helfer“ haben werden.
Dieser kleine Chatbot kann dir durch die gesammelten Informationen Fragen beantworten, bevor du dir diese Frage Überhaupt stellst. Chatbots und künstliche Intelligenz werden in der Zukunft immer präsent sein.

Vielleicht werden Displays in 50 Jahren nicht mehr existent sein. Wir kommunizieren mit den Firmen wie mit Menschen. Fragen werden nicht mehr gegoogelt, sondern einfach in der Raum gerufen. Der Bot sucht dann die entsprechende Lösung im Internet und liest die Lösung vor.
Er hört sich allerdings nicht mehr wie ein Navi an, sondern wie ein echter Mensch

Mit #AI und #Chatbots, könnte sich etwas googeln wie eine Konversation anfühlenClick To Tweet

Individuelle Chatbots für jedermann

Mit der Hilfe von Deep Learning können sich die Chatbots an die jeweiligen Benutzer anpassen. Stellen wir uns mal vor jeder Mitarbeiter in deinem Unternehmen arbeitet mit einem Chatbot. Die Chatbots können überflüssige Daten herausfiltern und den Mitarbeiter nicht übermäßig belasten.

Du kennst das bestimmt: Man bekommt eine email und ist einer von 10 Leuten im CC. Eigentlich brauchst du diese Information gar nicht. Der Chatbot könnte deine Emails für dich vorsortieren, weil er dich kennt.
Anschließend meldet er sich bei dir und sagt dir was es für interessante Neuigkeiten für dich gibt.

Du kannst den Chatbot einfach nach Informationen Fragen die du benötigst. Das Auswählen der passenden Informationen übernimmt der Chatbot. Das spart Zeit und macht googeln für dich überflüssig. Denn auf alle Daten die du damals gegoogelt hast, hat dein Chat Bot jetzt Zugriff.

Chatbots als vollwertige Arbeitskraft

Wenn man sich vorstellt, dass Chatbots automatisch dazu lernen und immer menschlicher werden, können sie doch einfache Arbeiten erledigen. Schon heute werden Menschen in der Produktion durch Maschinen ersetzt.

Wenn die Software erst einmal denken kann, werden auch dort die ersten Arbeitsplätze wegfallen.

Besseres Marketing durch Chatbots

Schon heute ist es unglaublich wichtig mit seinen Kunden in Kontakt zu sein und nur relevante Informationen zu verbreiten. In der Zukunft kann nicht nur von den gesammelten Daten profitiert werden. Es können unglaublich personalisierte Kampagnen geführt werden, welche pro Empfänger einzigartig sind. Für den Endverbraucher fühlt es sich so an als würde er eine Konversation mit einem Freund führen.

 

Die Gefahren

Menschen besprechen komplexe Themen bereits über WhatsApp, statt alles innerhalb einer Minute durch einen Anruf zu klären. Schreiben ist angenehmer, mann muss nicht kommunizieren. Bei Mc Donald wird selbst dann an den Selbstbedienungstheken bestellt wenn vor der Kasse keine Schlange ist.

Chatbots werden immer besser und simulieren menschlichen Kontakt. So fällt es uns leichter ihnen unsere Daten anzuvertrauen. Der Chatbot wird versuchen uns alles zu verkaufen was zu uns passt. Wir bemerken das jedoch nicht einmal.

Hinzu kommt noch, dass wir laut einer Studie dem Bot unsere Gefühle eher erzählen als einem Menschen. Des Weiteren werden Geheimnisse und persönliches leichter preisgegeben.

Diese Daten sind natürlich auch für Hacker ersichtlich. Das ist heute schon ein Problem. Durch das menschliche Wesen des Bots werden Daten ohne es zu bemerken herausgegeben. Es fühlt sich wie normaler Smaltalk mit einem Menschen an.

Das geht sogar soweit, dass die Bots deine Identität annehmen könnten und sich im Internet als dich ausgeben. Deine Daten haben Sie ja alle.

Hört sich schon fast an wie ein Sci-Fi Drehbuch…

Fazit

Chatbots stecken noch in den Babyschuhen. Zur Zeit müssen die Befehle die man dem Bot gibt sehr genau sein. Dem Bot von Dominos kann ich nur das Pizza Emoji oder „Pizza“ schicken. Wenn ich stattdessen schreibe „Ich habe Hunger“ passiert nichts. Chatbots lernen unglaublich schnell dazu und werden jeden Tag besser.

Das Chatten oder Reden mit den Bots wird immer menschlicher. Die Sprache des Bots wird immer besser und die Fähigkeiten Informationen auszuwerten und Entscheidungen zu treffen werden immer präziser.

Ich bin mir sicher, dass die Chatbots in Zukunft eine immer größere Rolle spielen und die ein oder andere App verdrängen werden. Wie weit sich diese Technologie noch entwickelt kann man nicht voraussagen. Das die Chatbots etliche Arbeitsstellen besetzen werden, finde ich ziemlich realistisch. Die Frage ist nur wann.

Ich freue mich schon als Rentner durch meinen Blog zu stöbern, auf diesem Artikel zu stoßen und zu erkennen wie falsch alle lagen wenn es darum geht mehr als fünf Jahre in die Zukunft zu schauen. Hallo Zukunfts-Johannes!

Was denkt Ihr, wo geht die Reise hin?

Bis dann, Johannes

 

Quellen technologyreview Forbes Forbes2

idgconnect fortune wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.